Was ist "Waldpädagogik?"

Waldpädagogik ist eine Form der Pädagogik, die den gesamten Kindergartenalltag in den Wald verlagert. Die Kinder sind täglich und bei jedem Wetter draussen. Ausnahmen bilden lediglich gefährliche Witterungen (z.B. Sturm), für die den Kindern eine Waldhütte oder ein Schutzraum zur Verfügung steht.

Ansonsten hält sich die Gruppe in der freien Natur, im Wald auf. Es gibt kein handelsübliches Spielzeug. Die Kinder lassen sich im Wald auf die Umstände und Materialien ein, die von Natur aus vorhanden sind. Sie setzen sich damit auseinander, experimentieren, entdecken, messen ihre Kräfte daran, bauen, verändern, beeinflussen, spüren, finden und erkennen.

Das ist Spiel in seiner ursprünglichsten Form. Das ist Lernen mit allen Sinnen. Spielzeug ist heute meist kein „Spiel“ in diesem Sinne mehr, es ist vielmehr das korrekte Benutzen eines vorgegebenen Gegenstandes. Konstruktionsspielzeug besteht aus ineinanderpassenden Formen, die wie erwartet zusammengesteckt werden müssen. Hat das Kind das Prinzip erkannt und wiederholt dies unzählige Male, „spielt es schön“.

Der Wald bietet allerdings mehr Herausforderung. Durch das spielzeugfreie Konzept lernen Kinder, Spiele zu entdecken und zu erfinden. Die Sprache wird angeregt und der Mensch zu selbständigem Handeln aus sich heraus motiviert.

Warum gerade Wald?

Der Wald bietet beste Grundvoraussetzungen zur Anregung der Entwicklung:

 

Motorik:

 

Die Kinder haben viel mehr Bewegung als in geschlossenen Räumen. Die unterschiedliche Beschaffenheit des Bodens fördert die Motorik auf äußerst vielfältige Weise (Unebenheiten, glatte Kieswege, Wurzeln, Gestrüpp, Unterholz, Pfützen, matschige Pfade, Hügel, Senken…) Immer wieder muss sich der Körper an neue Gegebenheiten anpassen, abhängig von Jahreszeiten, Witterung, Gelände oder Aktivität (klettern, springen, laufen, liegen, sitzen, wippen,…). Die Vielfältigkeit der motorischen Situationen im Wald ist enorm. Neben der Grobmotorik ergeben sich auch unzählige Anlässe zur Förderung der Feinmotorik (Umgang im Freispiel mit Tannennadeln, kleine Steinchen, Beeren, Samen etc.)

Sprache:

 

Es ist erwiesen, dass die Entwicklung der Motorik eine wesentliche Voraussetzung für die Sprachentwicklung ist. Nach dem Entwicklungspsychologen Erhard Olbrich (1996) bedingen und aktivieren sich die Bereiche „Bewegen und Wahrnehmen“ und „Denken und Sprechen“ gegenseitig, beeinlussen sich und treiben sich an.

Die Sprache wird auch insofern gefördert, dass es nicht ausreicht, dem Spielpartner einen Naturgegenstand als Spielaufforderung entgegen zu strecken. Es wird besprochen, ob der liegende Baumstamm ein Pferd oder ein Auto sein soll, ob der Stock in diesem Moment ein Schwert oder ein Kochlöffel ist.

Fantasie und Kreativität:

 

Die Tatsache, dass es kein vorgegebenes Spielzeug gibt, regt sowohl die Fantasie als auch die Kreativität an: Aus Rindenstücken und Kastanien werden Kugelbahnen, aus Stöcken werden Häuser gesteckt, aus einem Baumstamm und einem Rundholz wird eine Wippe, aus Beeren wird Farbe gemacht, die mit weichen oder harten Naturgegenständen aufgetragen werden kann. Funktionen und Eigenschaften werden hier vom Kind noch selbst im freien Spiel entdeckt und sind nicht zweckgebunden. Das Spiel ist weiter und freier, viel kreativer und intensiver als man es mit gekauftem Spielzeug beobachten kann. Daher liegt das Hauptaugenmerk auf dem freien Spiel. Natürlich gibt es ergänzend auch gezielte Kreativangebote (Malen, und Basteln), die ebenfalls im Wald und häufig auch unter Verwendung von Naturmaterialien statt finden.

Sozial – emotionaler Bereich:

 

Durch den Alltag in der Gruppe entstehen soziale Gefüge, in denen viele Kinder zum ersten Mal lernen, sich mit anderen auseinander zu setzen, sich durchzusetzen und effektiv sozial zu interagieren. Durch die „freie“ Situation im Wald haben die Kinder die Möglichkeit, sich zurück zu ziehen, Handlungsstrategien zu beobachten und sich Kontakte auszusuchen. Schwierige Situationen erfordern soziale Interaktionen (kleineren Kindern helfen oder in unwegsamem Gelände auf Langsamere zu warten etc.)

In den ersten Wochen berichten viele Eltern von einem Entwicklungsschub, der durch die Bewältigung der ungewohnten Anforderungen im freien Gelände ohne Hilfe der Eltern bedingt zu sein scheint (Selbstwertgefühl, Selbstvertrauen).

Mathematik und Naturwissenschaft:

 

Auch die Waldpädagogik versteht einen Kindergarten als Bildungseinrichtung. Natürlich wird hier noch nicht gelernt wie in der Schule, jedoch sollen die Kinder auch kognitiv auf die Schulsituation vorbereitet werden. Ausserdem bietet der Wald unzählige Anlässe, um die natürliche Neugier der Kinder im naturwissenschaftlichen Bereich zu nutzen. Das Entdecken von Tieren, das Feststellen von naturgegebenen Veränderungen durch äußere Einflüsse regen kleine Experimente und Versuche an, aus denen die Kinder mit allen Sinnen lernen und erleben können. Dinge, die man selbst versucht und gesehen hat, merkt man sich eher, als Dinge, die man theoretisch hört. Dies nutzen wir auch in unseren Vorschulprojekten „Zahlenwald“ (mathematischer Bereich), „Forschen mit Fred“ (naturwissenschaftlicher Bereich) und im Projekt „Vorschulwald“ (Nachhaltigkeit erleben und gestalten).

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